Anschluss-Trainingsprogramm · 12 Min Lesezeit

Anschluss-Training nach Knorpel-OP am Knie: Mikrofrakturierung, MACI und OATS im Vergleich

Verlauf nach Mikrofrakturierung, MACI und OATS: warum Knorpel-Eingriffe die längste Schonzeit aller Knie-OPs brauchen und welche Trainings-Reize wann erlaubt sind.

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Autor:
Julio Abad Veria, Sporttherapeut · Sportwissenschaftler
Julio Abad Veria und eine Trainierende stehen hüfttief im Schwimmbad-Becken, Trainierende in Arm-Bewegungs-Übung mit Wasser-Widerstand.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Vor jedem Trainings­einstieg nach einer Knorpel-Operation am Knie ist die schriftliche Freigabe der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes zwingend erforderlich — besonders bei Knorpel-Eingriffen, die zu den sensibelsten orthopädischen Knie-OPs zählen. Anschluss-Training ist keine Heilbehandlung und keine Krankengymnastik — es ist sportwissenschaftlich begleitete Trainings­begleitung nach abgeschlossener ärztlicher Reha.

Was Anschluss-Training nach Knorpel-OP wirklich ist

Knorpel-Eingriffe am Knie sind in einer Hinsicht einzigartig: Sie brauchen mit Abstand die längste Schon- und Aufbau-Phase aller orthopädischen Knie-Operationen. Während nach einer Meniskus-Resektion in 4 bis 6 Wochen die ersten Sport-Schritte möglich sind und nach einer Kreuzband-Plastik nach 9 bis 12 Monaten an Pivot-Sportarten gedacht werden darf, gilt für Knorpel-OPs: ein Jahr ist die untere Grenze, Stop-and-go-Sportarten oft erst ab Monat 18.

Der Grund liegt in der Biologie des Knorpels selbst. Knorpel hat keine direkte Blut­versorgung, regeneriert extrem langsam und ist in den ersten Wochen nach einer Reparatur-OP biologisch eine offene Wunde im Gelenk. Wer hier zu früh Stoß­belastung gibt, schädigt das frische Regenerat irreversibel — und macht damit den gesamten Eingriff zunichte. Ein strukturiertes Anschluss-Trainingsprogramm in dieser Phase ist deshalb keine Beschleunigung — es ist eine kontrollierte, sehr langsame Reiz­dosierung nach Vorgaben der operierenden Klinik.

Dieser Artikel fokussiert auf den Knorpel-Verlauf. Wer eine Übersicht über alle vier Knie-OP-Typen (TEP, Kreuzband, Meniskus, Knorpel) sucht, findet sie im Pillar-Artikel zum Training nach Knie-OP.

Drei Verfahren, drei Trainings-Verläufe

In Deutschland kommen heute drei chirurgische Standard-Verfahren zum Einsatz, deren biologischer Mechanismus sehr unterschiedlich ist — und damit auch das Anschluss-Training.

Mikrofrakturierung

Der älteste und einfachste Eingriff: Nach Säuberung des Defekts werden mit einem feinen Stichel kleine Löcher in den darunter­liegenden Knochen gesetzt, sodass Knochenmark-Stammzellen in den Defekt ein­bluten und dort ein Faserknorpel-Regenerat bilden. Vorteile: einzeitig, kosten­günstig, breit verfügbar. Nachteile: Das Faser­knorpel-Gewebe ist mechanisch deutlich weniger belastbar als gesunder hyaliner Knorpel. Internationale Reviews zeigen eine Return-to-Sport-Rate von rund 75 bis 77 Prozent und einen mittleren Wieder­einstieg nach etwa 8 bis 9 Monaten — bei begrenzter Langzeit-Stabilität gerade bei größeren Defekten über 2,5 cm².

MACI / MACT (Matrixgestützte Autologe Chondrozyten-Implantation)

Zweizeitiger Eingriff: Zunächst werden Knorpel­zellen aus einer wenig belasteten Knie-Region entnommen, im Labor über 4 bis 6 Wochen vermehrt und auf eine Kollagen-Matrix aufgebracht. Diese wird in einer zweiten OP in den Defekt implantiert. Die Heilung dauert deutlich länger, die Qualität des entstehenden Knorpels liegt aber näher am ursprünglichen hyalinen Gewebe. Return-to-Sport-Rate rund 84 Prozent, mittlerer Wieder­einstieg nach 11 bis 16 Monaten. MACI ist in Deutschland inzwischen reguläre Kassen­leistung für Defekte ab etwa 2,5 cm² Größe.

OATS (Osteochondrale Autograft-Transplantation)

Aus einer wenig belasteten Knie-Region wird ein zylindrischer Knorpel-Knochen-Block entnommen und in den Defekt versetzt. Vorteile: einzeitig, sofort belastbares hyalines Gewebe. Nachteile: nur für kleinere Defekte (typischerweise unter 2 cm²) geeignet, weil aus der Entnahme-Region neue Schäden entstehen können. Return-to-Sport-Rate rund 77 Prozent, Wieder­einstieg nach 9 bis 10 Monaten. Für ambitionierte Sportler:innen mit kleinen Defekten oft das Verfahren der Wahl, weil das transplantierte Gewebe von Anfang an mechanisch trägt.

Welches Verfahren der Operateur gewählt hat, steht im OP-Bericht — und definiert mit, wann und mit welcher Intensität das Anschluss-Training überhaupt einsetzen darf.

Reha-Phasen im Überblick

Ein typisches Knorpel-Anschluss-Programm orientiert sich an fünf Phasen — eine mehr als bei Kreuzband- oder Meniskus-OPs, weil die biologische Knorpel-Reife eigene Schon-Fenster verlangt:

PhaseZeitraum (Richtwert)InhaltVerantwortung
0OP-Tag bis Woche 6Wundheilung, CPM-Motorschiene, 10–20 kg Teilbelastung an KrückenKlinik / Operateur
1Woche 6–12Übergang zur Vollbelastung, isometrische Quadriceps-Aktivierung, Wasser-MobilisationAnschluss-Training
2Woche 12–26Geführter Kraft- und Koordinations-Aufbau, Ergometer, erste Land-Übungen mit LastAnschluss-Training
3ab Monat 6Sportartspezifische Vorbereitung, erste vorsichtige Stoß-ReizeAnschluss-Training
4ab Monat 12 (MACI: 18)Return-to-Sport-Tests, kontrollierter Pivot-Sport-EinstiegAnschluss-Training

Die genauen Wochen-Angaben hängen von OP-Verfahren, Defekt-Größe, Defekt-Lokalisation (Femur­kondyle vs. retropatellar) und ärztlichen Auflagen ab. Eine retropatellare Lokalisation bekommt zum Beispiel in vielen Klinik-Schemata zusätzlich eine streckungs­limitierende Orthese für 8 Wochen — das Anschluss-Training startet hier nochmals 2 bis 4 Wochen später als bei femoralen Defekten.

VERTEX setzt typischerweise am Übergang von Phase 0 zu Phase 1 ein — also nach Vollbelastungs-Freigabe und mit schriftlicher Ärzt:innen-Freigabe.

Phase 1 (Woche 6–12): Übergang zur Vollbelastung, Wasser zuerst

In dieser Phase wird das Bein von Teilbelastung an Krücken auf Vollbelastung im Alltag umgestellt. Ziel ist nicht Muskel­aufbau, sondern Wiederherstellung eines sicheren Gangbildes und sehr vorsichtige Aktivierung der atrophierten Oberschenkel-Muskulatur.

  • Isometrische Quadriceps-Aktivierung im Sitzen und Liegen (Halte­zeiten 5–10 Sekunden, 3 Sätze) — der wichtigste Reiz dieser Phase
  • Gangschule ohne Hinken, mit bewusster Abroll­phase und Becken-Stabilität
  • Wasser­gewöhnung ab ärztlicher Freigabe für die Wund­heilung: erst Stehen im hüfttiefen Wasser, dann Gewichts­verlagerungen, dann Aqua-Walking
  • Geführte Kniebeuge an der Wand oder am TRX-Band, Tiefe streng auf den schmerz­freien Bereich begrenzt (typischerweise 0–45° Beugung)
  • Kein Krafttraining mit externer Last, kein einbeiniges Stehen ohne Sicherung, keine Treppensteig-Übungen mit Zusatzgewicht

Wasser­gebundenes Training spielt in dieser Phase eine besondere Rolle — siehe unsere Aqua-Bewegungstraining-Linie, die in der frühen Knorpel-Reha als gelenk­schonende Kraft- und Mobilitäts­plattform dient.

Phase 2 (Woche 12–26): Kraft- und Koordinations-Aufbau — keine Plyometrie

Nach Erreichen einer schmerzfreien Vollbelastung beginnt der eigentliche Kraft-Aufbau — sehr graduell und mit klarer roter Linie: keinerlei plyometrische Reize, keine Stoß­belastung, keine Dreh­belastungen unter Last.

  • Beidbeinige Kniebeuge mit Körpergewicht, dann mit Goblet-Squat-Last (3–5 kg, langsam steigern), Tiefe progressiv bis 90°
  • Beinpresse mit submaximaler Last (Borg 11–13), Bewegungs­umfang im schmerz­freien Bereich
  • Hip-Hinge-Muster (Romanian Deadlift mit Stange, leicht) für die hintere Kette und Becken-Stabilität
  • Step-up mit niedriger Stufenhöhe (15 → 20 cm), keine Zusatzlast in den ersten 4 Wochen dieser Phase
  • Ergometer-Ausdauer 20–30 Min, Trittfrequenz 70–90, niedrige Stufe
  • Propriozeptive Reize im Zwei-Bein-Stand auf Balance-Pad, schrittweise zu kontrolliertem Single-Leg-Stand mit Wand-Sicherung

Sportarten in dieser Phase: Radfahren (zunächst Ergometer, dann flacher Outdoor-Bereich), Schwimmen (Brust meiden — Brust­beinschlag belastet das Innenband und reizt patello­femorale Defekte zusätzlich), Aqua-Jogging, Nordic Walking. Joggen ist in Phase 2 tabu, ebenso Squash, Tennis im Einzel und alle Mannschafts­sportarten mit Sprung- oder Richtungs­wechsel-Komponente.

Phase 3 (ab Monat 6): Erste vorsichtige Stoß-Reize

Erst ab Monat 6 — und nur nach Re-Test mit schmerz­freier Belastung, voller aktiver Streckung, mindestens 130° Beugung und Quadriceps-Symmetrie im einbeinigen Kniebeuge-Test — dürfen die ersten Stoß­reize kommen.

  • Walk/Jog-Protokoll sehr behutsam, ähnlich wie nach Kreuzband-OP — Start mit 1 Min Joggen / 2 Min Gehen, langsame Progression über 6–8 Wochen
  • Niedrig-Impact-Plyometrie: Pogo-Hops auf weichem Untergrund (Matte), Tap-Drills, dann erste flache Box-Step-Downs mit kontrollierter Landung („weich abrollen, kein Klatschen”)
  • Bulgarian Split Squat mit dem operierten Bein hinten, leichte Zusatzlast
  • Single-Leg Romanian Deadlift für die hintere Kette und Becken-Stabilität
  • Sportartspezifische Vorbereitung je nach Ziel-Sport (Skifahrer: laterale Stabilität in geringer Höhe; Wanderer: progressive Steigungs-Reize; Tänzer:innen: kontrollierte Dreh­bewegungen ohne Sprung)

Wichtig: ein Re-Test in Monat 6 ist Pflicht, nicht optional. Wer ohne objektive Kriterien-Prüfung in die Stoß­reiz-Phase übergeht, läuft das größte vermeidbare Risiko der gesamten Knorpel-Reha.

Phase 4 (ab Monat 12, MACI ab 18): Return-to-Sport — kriterien-basiert

Pivot-Sportarten — Fußball, Handball, Basketball, alpines Skifahren, Squash — bleiben bei Knorpel-Eingriffen besonders sensibel. Internationale Empfehlungen sehen einen Wieder­einstieg in Stop-and-go-Sportarten frühestens ab Monat 12 (Mikrofrakturierung, OATS) bzw. Monat 18 (MACI) vor — und auch dann nur nach bestandener Test-Batterie:

  • Hop-Test-Batterie (Limb Symmetry Index, LSI ≥ 90 %): Single-Leg Hop, Triple Hop, Cross-Over Hop, 6-Meter Timed Hop
  • Isokinetische Kraft­messung Quadriceps und Hamstrings — LSI ≥ 90 %
  • Y-Balance-Test für dynamische Beinachsen-Kontrolle
  • Schmerz­freie Bewegung über alle Belastungs­stufen, einschließlich Sprung-Landungen

Wer Pivot-Sportarten anstrebt, ergänzt das Training um sportartspezifische Drills — zunächst beidbeinig und ohne Gegner, später kontrolliert im Mannschafts­training, zuletzt im Wettkampf. Bei dauerhafter Wettkampf-Beanspruchung sollte eine ehrliche Risiko-Abwägung stattfinden: gerade Mikrofrakturierungs-Patient:innen kehren laut Studien in nur etwa 75 Prozent der Fälle dauerhaft in ihren Sport zurück; mittelfristig sind weitere chirurgische Eingriffe nicht selten.

Warum Geduld hier nicht nur Vorsicht ist, sondern Biologie

Knorpel reift langsam — und in vier biologischen Phasen, die ein gutes Anschluss-Training kennt und respektiert (Reha-Schema nach ATOS Kliniken und der internationalen Knorpel-Reha-Literatur):

  1. Proliferationsphase (Woche 1–6): Anwachsen und erste Zellteilung. Scherkräfte und Stoß­reize zerstören das junge Gewebe.
  2. Umwandlungsphase (Woche 7–12): Kollagen-Aufbau und Matrix-Bildung. Belastung steigt sehr langsam, Bewegung ohne Last ist der zentrale Reha-Reiz.
  3. Remodeling-Phase (Monat 4–6): Erste mechanische Stabilität, Kraft­aufbau möglich — aber noch keine Stoß­reize.
  4. Reifungsphase (Monat 7 bis Jahr 3): Langfristige Festigung. Das Gewebe wird in den ersten 12 Monaten dichter, danach allmählich auch mechanisch belastbarer.

Jede dieser Phasen hat ein eigenes Belastungs-Fenster. Wer in Woche 8 schon joggen geht, schädigt das Regenerat während der empfindlichsten Phase. Wer in Monat 4 schon Plyometrie macht, riskiert eine Ablösung des Regenerats. Geduld ist hier keine Schwäche — sie ist die einzige Strategie, die mit der Biologie arbeitet statt gegen sie.

Drei typische Stolpersteine

  1. Frühe Plyometrie. Der häufigste vermeidbare Fehler in der Knorpel-Reha. Wer ab Monat 3 oder 4 schon Sprünge übt, „weil sich das Knie gut anfühlt”, schädigt das Regenerat im sensibelsten Reife-Fenster. Plyometrie hat in der gesamten Phase 2 nichts verloren.
  2. Übergewichts-Reduktion vernachlässigt. Jedes zusätzliche Kilo Körper­gewicht erzeugt im Knie bei Alltagsbelastung das Drei- bis Fünffache an Druck. Wer mit BMI über 30 nach Knorpel-OP zurückkommt, hat ohne ergänzendes Ernährungs- und Ausdauer­konzept ein deutlich erhöhtes Risiko für Versagen des Regenerats. Eine Bewegungsberatung integriert Gewichts­management als gleichwertiges Reha-Thema.
  3. Fehlende ROM-Re-Tests. Knorpel-Regenerate können in den ersten 12 Wochen Bewegungs­einschränkungen entwickeln — vor allem retropatellar. Wer nicht spätestens in Woche 12 ein dokumentiertes ROM-Re-Test bekommt, riskiert eine fixierte Einsteifung, die später schwer aufzulösen ist. ROM-Messung ist Standard in jeder Bewegungs­analyse und sollte alle 6 bis 8 Wochen wiederholt werden — Werkzeug für die eigenverantwortliche Zwischen­kontrolle ist unser Selbsteinschätzungs-Bogen Beweglichkeit und Kraft.

Anschluss-Training nach Knorpel-OP in Berlin

VERTEX SPORTTHERAPIE bietet 1:1-Anschluss-Training nach Knorpel-Eingriffen in mehreren Berliner Studios — mit besonderem Schwerpunkt auf Wasser-Mobilisation in den frühen Phasen und kriterien-basierter Stoß­reiz-Progression ab Monat 6. Mit Studio-Standorten in Mitte, Charlottenburg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Kreuzberg ist VERTEX für die meisten Privatzahler:innen gut ÖPNV-erreichbar. Trainings finden auf Deutsch, Englisch oder Spanisch statt — in Berlin selten.

Anschluss-Training ist eine Selbstzahler­leistung. Transparente Konditionen finden Sie in der Preis-Übersicht, eine ehrliche Markt-Einordnung im PDF Was kostet Sporttherapie privat in Berlin?. Ein 15-minütiges Erst­gespräch kostet nichts und klärt, ob VERTEX zum konkreten Verfahren (Mikrofrakturierung, MACI oder OATS), zur Defekt-Lokalisation und zu Ihrem Ziel-Sport passt. Bei knorpel­spezifischen Auflagen — insbesondere retropatellaren Eingriffen — koordinieren wir vor Beginn mit der operierenden Klinik.

Was kein Anschluss-Trainingsprogramm leisten kann

Ein Anschluss-Trainingsprogramm ist keine Therapie und ersetzt weder die ambulante Reha noch die ärztliche Nach­sorge. Bei anhaltenden Schmerzen, Schwellungen, Bewegungs­einschränkungen, Knack- oder Reib-Geräuschen im OP-Gebiet, Wärme, Rötung oder Erguss-Bildung ist die Rück­sprache mit der operierenden Ärztin oder dem operierenden Arzt unverzichtbar.

Was ein gut strukturiertes Anschluss-Trainings­programm hingegen bietet: einen verlässlichen, biologisch-respektvollen Weg von der medizinischen Versorgung über die Reife-Phase des Regenerats bis in den Sport — mit klaren Belastungs­fenstern, messbaren Re-Tests und einer realistischen Zeit­achse, die zur konkreten Knorpel-OP passt.

Häufig gestellte Fragen

  • Wann darf ich nach einer Knorpel-OP wieder vollständig belasten?
    Bei Mikrofrakturierung und MACI ist Vollbelastung im Alltag in der Regel ab Woche 6 freigegeben, bei OATS oft ähnlich. Maßgeblich sind das konkrete Verfahren, die Defekt-Größe und die Lokalisation: retropatellare Defekte hinter der Kniescheibe bekommen häufig eine zusätzliche Streckungs-Limitierung in einer Orthese über 8 Wochen. Verbindlich ist die schriftliche Freigabe der operierenden Klinik — nicht der Reha-Bericht alleine.
  • Wann darf ich nach Mikrofrakturierung wieder Sport machen?
    Low-Impact-Sportarten wie Radfahren auf dem Ergometer oder Schwimmen sind oft ab Monat 3 möglich, Joggen frühestens ab Monat 6 bis 7, Stop-and-go-Sportarten wie Fußball, Tennis im Einzel oder Basketball frühestens ab Monat 12. Internationale Reviews zeigen einen mittleren Wiedereinstieg nach 8 bis 9 Monaten und eine Return-to-Sport-Rate von rund 75 Prozent — Geduld zahlt sich hier biologisch direkt aus.
  • Was unterscheidet Mikrofrakturierung von MACI?
    Bei der Mikrofrakturierung werden kleine Löcher in den Knochen gesetzt, damit körpereigene Stammzellen aus dem Knochenmark einbluten und ein Faserknorpel-Regenerat bilden — einzeitig, schnell verfügbar, weniger mechanisch belastbares Ergebnis. Bei MACI (Matrix-Autologe Chondrozyten-Implantation) werden eigene Knorpelzellen entnommen, im Labor vermehrt und in einer zweiten Operation auf einer Kollagen-Matrix implantiert — aufwändiger, längere Reife-Phase, qualitativ hochwertigeres hyalinähnliches Regenerat. Die Wahl trifft die operierende Klinik nach Defekt-Größe und Patientenprofil.
  • Wann darf ich nach MACI wieder joggen?
    Joggen wird nach MACI typischerweise frühestens ab Monat 9 bis 12 freigegeben, sportartspezifisches Stop-and-go-Training oft erst ab Monat 18. Grund ist die längere biologische Reife-Phase des hyalinähnlichen Regenerats. Verbindlich sind die Re-Test-Kriterien — schmerzfreie Single-Leg Squat, Quadriceps-Symmetrie mindestens 90 Prozent im Limb Symmetry Index, Beinachsen-Kontrolle bei Step-down — und nicht nur die Wochenzahl im Kalender.
  • Warum dauert die Reha nach Knorpel-OP länger als nach Kreuzband-OP?
    Knorpel hat keine direkte Blutversorgung und regeneriert biologisch sehr langsam — er wird ausschließlich über Bewegung und Synovialflüssigkeit ernährt. Während eine Kreuzband-Plastik nach 6 bis 9 Monaten meist sporttauglich ist, brauchen Knorpel-Regenerate 12 bis 18 Monate bis zur mechanischen Tragfähigkeit. Internationale Empfehlungen sprechen sogar von einer Reifungsphase bis zu drei Jahren — auch wenn alltagstaugliche Belastungen deutlich früher freigegeben werden.
  • Welche Sportarten sind nach einer Knorpel-OP dauerhaft sinnvoll?
    Dauerhaft empfohlen werden Low-Impact-Sportarten ohne Stop-and-go-Komponente: Radfahren, Schwimmen (Brust meiden bei retropatellaren Defekten wegen Beinhebung-Belastung), Aqua-Jogging, Nordic Walking, Wandern auf flachem Untergrund, Langlauf im klassischen Stil, Tanzen ohne Sprünge, Golf mit Cart. Stop-and-go-Sportarten wie Fußball, Handball, Basketball, Tennis im Einzel, Squash und alpines Skifahren sind ab Monat 12 bis 18 möglich, aber langfristig mit erhöhtem Versagen-Risiko des Regenerats verbunden.
  • Brauche ich nach Knorpel-OP eine CPM-Motorschiene?
    Eine kontinuierliche passive Bewegungsschiene (CPM, Continuous Passive Motion) ist nach Mikrofrakturierung und MACI in den ersten Wochen Standard — sie hält die Synovialflüssigkeit in Bewegung und liefert die einzige Ernährung des frischen Regenerats. Typische Schemata aus deutschen Klinik-Protokollen: erste Tage 0–60 Grad Beugung, progressiv bis 90 Grad in Woche 4, freie Beugung ab Woche 5 bis 6. Die Schiene gehört zur ärztlichen Reha — das Anschluss-Training schließt erst danach an.
  • Übernimmt die Krankenkasse Anschluss-Training nach Knorpel-OP?
    Reha-Sport nach § 64 SGB IX ist mit ärztlicher Verordnung über einen anerkannten Verein als Sachleistung möglich, deckt aber nur Gruppen-Settings und meist nicht die knorpelspezifische Belastungssteuerung mit individuellen Re-Test-Punkten. Privat geführtes 1:1-Anschluss-Training ist eine Selbstzahlerleistung; private Krankenversicherungen und Beihilfen erstatten Personal Training mit Reha-Bezug teilweise anteilig — Konditionen mit dem eigenen Tarif vor Trainingsstart klären.

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Wissenschaftliche Quellen

Diese Inhalte stützen sich auf folgende Leitlinien, systematische Reviews und Fachpublikationen:

  1. 1. Rehabilitation und Sportfähigkeit nach Knorpelzelltransplantation am Kniegelenk ATOS Kliniken / ATOS News, 2023
  2. 2. Rückkehr zum Sport nach Eingriffen am Gelenkknorpel im Kniegelenk: Rehabilitation und Kriterien Wondrasch B. et al. / Manuelle Medizin, 2016
  3. 3. Rehabilitation, Restrictions, and Return to Sport After Cartilage Procedures Arthroscopy, Sports Medicine, and Rehabilitation / PMC, 2022
  4. 4. Return-to-Play and Rehabilitation Protocols following Cartilage Restoration Procedures of the Knee: A Systematic Review Cartilage / PMC, 2022
  5. 5. S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose AWMF / DGOU / DGOOC, 2024
  6. 6. Mikrofrakturierung — Nachbehandlung Sportklinik Essen / Orthopädie im Bredeneyer Tor, 2022
  7. 7. Rehabilitation Protocol for Microfracture (Femoral Condyle) Mass General Brigham Sports Medicine, 2022
  8. 8. Empfehlungen der AG Klinische Geweberegeneration zur Behandlung von Knorpelschäden AG Klinische Geweberegeneration (DGOU), 2022

Über den Autor

Julio Abad Veria

Julio Abad Veria

Sporttherapeut · Sportwissenschaftler

Julio hat in Kuba ein 5-jähriges Hochschuldiplom in Sportwissenschaft absolviert, in Deutschland von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) als Sportwissenschaftler anerkannt. Seit 14 Jahren in stationären und ambulanten Reha-Zentren in Berlin tätig — heute mit Schwerpunkt auf 1:1-Anschluss-Training nach abgeschlossener ärztlicher Behandlung.

Weiterbildungen mit Bezug zum Thema:

  • KG am Gerät — Krankheitsbilder
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  • Universitäts-Diplom anerkannt Anabin / ZAB Zeugnisbewertung
  • 9 Jahre in Berlin
  • Aqua Trainer Basic Fortbildungs-Zertifikat
  • KG-am-Gerät-Fortbildung Fortbildungs-Zertifikat
  • Onkologische Bewegungstherapie-Fortbildung Fortbildungs-Zertifikat

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