Anschluss-Trainingsprogramm · 12 Min Lesezeit

Anschluss-Training nach Knie-TEP: Krafttraining, Sportarten und Sturzprävention

Strukturiertes Trainingsprogramm nach Knie-Totalendoprothese: Phasen, Übungen, BORG/ROM/LSI-Kennzahlen, 14-Sportarten-Tabelle und Sturzprävention für Senioren 60+.

Veröffentlicht:
Autor:
Julio Abad Veria, Sporttherapeut · Sportwissenschaftler
Julio Abad Veria erklärt einem Trainierenden eine Einbein-Stand-Übung auf der Tempelhofer Feld-Wiese.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Vor jedem Trainings­einstieg nach einer Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP) ist die schriftliche Freigabe der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes zwingend erforderlich. Ein Anschluss-Trainingsprogramm ist keine Heilbehandlung und keine Krankengymnastik — es ist sportwissenschaftlich begleitete Trainings­begleitung nach abgeschlossener ärztlicher Reha.

Was Anschluss-Training nach Knie-TEP wirklich ist

Eine Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP) ist in Deutschland mit über 190.000 Eingriffen pro Jahr eine der häufigsten orthopädischen Operationen — und für die meisten Betroffenen das Ende eines langen Schmerz-Verlaufs. Der Eingriff selbst ist gut standardisiert; das eigentliche Ergebnis entsteht aber in den 12 bis 24 Wochen nach der Reha. Welche Kraft das operierte Bein dauerhaft erreicht, wie sicher das Gangbild bleibt und wie groß die Sturzgefahr ausfällt, hängt nicht vom OP-Saal ab, sondern vom Trainings­alltag danach.

Ein Anschluss-Trainingsprogramm schließt diese Lücke. Es ersetzt keine Krankengymnastik, ist keine Heilbehandlung und keine Schmerztherapie. Es ist sportwissenschaftliche Begleitung auf Basis der ärztlichen Freigabe — mit klaren Belastungs­schritten, regelmäßigen Re-Tests und einer Sportart-Perspektive, die zur Lebenssituation passt.

Wer eine Übersicht über alle vier Knie-OP-Typen sucht, findet sie im Pillar-Artikel zum Training nach Knie-OP. Dieser Beitrag fokussiert auf den Knie-TEP-Verlauf — eine sehr senioren-lastige Patient:innen-Gruppe, bei der Sturzprävention und Implantat-Schonung gleichgewichtet werden müssen.

Welcher Endoprothesen-Typ wurde eingesetzt? Drei Verläufe

Welche Endoprothesen-Bauform der Operateur verwendet hat, steht im OP-Bericht und prägt die ersten 8 bis 12 Wochen des Anschluss-Trainings spürbar.

Bikondyläre Standard-Knie-TEP (Oberflächenersatz)

Der Standard-Eingriff in Deutschland. Ersetzt die Gelenkflächen von Ober- und Unterschenkel, in der Regel zementiert verankert. Belastung wird typischerweise ab Tag 1 bis Woche 2 progressiv gesteigert, Vollbelastung meist nach 4 bis 6 Wochen frei. Beweglichkeit (ROM) ist hier die zentrale Stellschraube: ohne aktive Beugung über 110° in den ersten 12 Wochen sind viele Alltags-Aufgaben dauerhaft erschwert.

Unikondyläre Schlittenprothese (Hemi-Schlitten)

Wenn nur das innere oder äußere Kompartiment verschlissen ist, kann eine kleinere Schlittenprothese eingesetzt werden. Vorteil: schnellere Reha, deutlich größere mögliche Beweglichkeit (oft bis 130°), bessere Gangmechanik. Anschluss-Training kann früher und intensiver einsteigen — typischerweise schon ab Woche 4 bis 6, mit zügiger Progression in Phase 2. Voraussetzung ist eine intakte Bandführung und ein gesunder Knorpel in den anderen Kompartimenten; diese OP eignet sich nicht für alle.

Standard-TEP mit Patellarrückflächen-Ersatz

Die Kniescheiben-Rückfläche wird je nach Verschleißgrad zusätzlich mit einem kleinen Polyethylen-Knopf ersetzt. Trainings­relevant ist diese Variante vor allem für die Phase 1: Kniescheiben-Mobilisation, schmerzfreie Quadriceps-Aktivierung und das vorsichtige Abtrainieren der typischen Knie-Vorderseiten-Schmerzen, die in den ersten Wochen nach diesem OP-Detail auftreten können. Tiefe Kniebeugen über 90° gehören erst in spätere Phasen und nur bei klinischer Beschwerdefreiheit.

Trainings­plan und Belastungs­steigerung müssen zur eingesetzten Bauform passen — das ist Standard-Wissen jeder erfahrenen Sporttherapie. Ein generisches „Knie-Training” ohne Bauform-Kenntnis ist im Anschluss-Bereich nicht ausreichend.

Reha-Phasen-Übersicht

Ein typisches Anschluss-Programm nach Knie-TEP orientiert sich an fünf Phasen, von denen die ersten zwei in der ärztlichen Reha stattfinden:

PhaseZeitraum (Richtwert)InhaltVerantwortung
0OP-Tag bis Woche 2Wundheilung, Mobilisation, CPM-Schiene, Krücken-TeilbelastungKlinik / Operateur
1Woche 2–6Volle Streckung, Beugung Richtung 90°, Quadriceps-Aktivierung, GangschuleÄrztliche Reha (AHB)
2Woche 6–12Vollbelastung, beidbeiniges Kraft­training, Ergometer, GleichgewichtAnschluss-Training
3Woche 12–24Einbeinige Kraft, Stufen-Progression, sportartspezifische AnnäherungAnschluss-Training
4ab Woche 24Sport-Wiederaufnahme nach Re-Test, Dauer-KonditionierungAnschluss-Training

VERTEX setzt typischerweise am Übergang von Phase 1 zu Phase 2 ein — also etwa Woche 6 bis 8 nach OP, nach abgeschlossener ärztlicher AHB und mit schriftlicher Freigabe.

Phase 1 (Woche 2–6): Bewegungs-Sicherheit und Gangschule

In dieser Phase liegt die Hauptverantwortung bei der ärztlichen Reha (AHB) und der Physiotherapie. Anschluss-Training kann begleiten — meist über Kontrollbesuche und Hausaufgaben­pläne — aber nicht ersetzen.

  • Isometrische Quadriceps-Aktivierung im Sitzen und Liegen (5–10 Sek halten, 3 Sätze à 10)
  • Geführte Kniebeuge an der Wand oder am Tisch (Tiefe begrenzt auf den schmerzfreien Bereich, in der Regel 30–60°)
  • Gleichgewichts-Übungen im Zwei-Bein-Stand auf weicher Matte
  • Gangschule ohne Hinken — bewusste Schritt­länge, Abrollphase, Becken-Stabilität

Was in Phase 1 noch nicht stattfindet: einbeinige Kraft, freie Kniebeugen mit Last, jede Form von Sprung oder Stoßbelastung.

Phase 2 (Woche 6–12): Vollbelastung, beidbeiniges Krafttraining beginnt

Sobald die Vollbelastung freigegeben und das Gangbild ohne sichtbares Hinken möglich ist, beginnt strukturiertes Krafttraining. Ziel ist nicht maximale Kraft, sondern der Wiederaufbau eines belastbaren Bewegungs­fundaments.

  • Beidbeinige Kniebeuge mit Körpergewicht, dann mit leichter Goblet-Squat-Last (Kettlebell), Tiefe progressiv steigern bis 90°
  • Beinpresse mit submaximaler Last (Borg 11–13), Kniewinkel zunächst nur bis 90°
  • Hip-Hinge-Muster (Romanian Deadlift mit Stange, leicht) — entscheidend für die spätere Treppen- und Wander-Mechanik
  • Ergometer-Ausdauer 20–30 Min, Trittfrequenz 70–90, niedrige Stufe (Borg 11–12)
  • Rumpf-Stabilisation und Hüftabduktoren (Side-Plank, Side-Step mit Mini-Band) — direkte Sturz-Prophylaxe

Wassergebundenes Training ist hier ein besonders dankbares Werkzeug — die Aqua-Bewegungstraining-Linie ermöglicht Kraft- und Mobilitäts-Reize bei stark reduziertem Gelenkdruck.

Phase 3 (Woche 12–24): Einbeinige Kraft und Stufen-Progression

Diese Phase entscheidet darüber, ob das operierte Bein dauerhaft gleichwertig belastbar wird — oder ob das gesunde Bein dauerhaft kompensiert (mit Hüft- und Rücken-Folgen).

  • Bulgarian Split Squat mit dem operierten Bein vorne, später hinten — progressiv mit Zusatzgewicht (3 × 8–10, Borg 13–15)
  • Single-Leg Romanian Deadlift für die hintere Kette
  • Step-up mit progressiver Höhe (15 → 20 → 25 → 30 cm) und langsam Zusatzgewicht
  • Einbein-Standwaagen mit Wand-Sicherung, später frei (Y-Balance-Test ist hier das Mess-Format)
  • Sport-spezifische Annäherung: für Schwimmer:innen schmerzfreie Beinschlag-Tests am Beckenrand; für Radfahrer:innen Anstiegs-Simulation am Ergometer; für Wander-Interessierte progressive Treppen-Distanzen

Plyometrische Sprünge sind nach einer Knie-TEP keine Standard-Übung — die Stoßbelastung wirkt unmittelbar auf das Implantat-Knochen-Interface. Ausnahmen sind sehr ambitionierte Verläufe nach unikondulärer Schlittenprothese und nur mit ärztlicher Rücksprache.

Belastung richtig steuern: BORG-Skala, ROM-Ziele, LSI

Drei sportwissenschaftliche Werkzeuge machen den Unterschied zwischen „irgendwie trainieren” und „nachweislich Fortschritt”:

BORG-Skala 6–20 für die Trainings-Intensität. Eine subjektive Belastungs­skala, die im Anschluss-Training für Ausdauer­einheiten Werte zwischen 11 („leicht”) und 13 („etwas anstrengend”) vorgibt, für Krafteinheiten 13 bis 15. Das schützt vor Über­belastung im sensiblen Implantat-Lager und macht Belastung über Wochen vergleichbar — ohne Pulsuhr.

Range of Motion (ROM) als Reha-Ziel. Nach einer Standard-Knie-TEP gilt eine aktive Beugung von etwa 90° nach 2 Wochen, 110° nach 6 Wochen und mindestens 120° nach 12 Wochen als Orientierung (AWMF S2k 187-004). Wird die ROM nicht erreicht, muss die ärztliche Versorgung vor jedem weiteren Training reagieren — Anschluss-Training kann diese Lücke nicht schließen und darf sie nicht überspielen.

Limb Symmetry Index (LSI) als Funktions-Kennzahl. Der LSI vergleicht Kraft­leistungen des operierten Beins mit denen des gesunden Beins (typischerweise gemessen über Beinpressen-Maximum, Single-Leg Sit-to-Stand oder isokinetische Quadriceps-Messung). Für Knie-TEP-Patient:innen ist ein LSI von mindestens 80 % nach 6 Monaten ein realistisches Mindest­ziel — niedriger bedeutet erhöhtes Sturz- und Asymmetrie-Risiko, höher ist Bonus.

Bei VERTEX werden diese drei Kennzahlen bei jeder Bewegungs­analyse erhoben — am Anfang als Ausgangs­wert, alle 6 Wochen als Verlaufs­messung.

Wann darf ich was wieder? — Wiedereinstieg pro Sportart

Die folgenden Richtwerte folgen den Hinweisen der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und gehen von einem unkomplizierten Verlauf nach Standard-Knie-TEP aus. Verbindlich ist immer die ärztliche Freigabe.

SportartFrühester EinstiegEmpfehlungHinweis
Aqua-Joggingab Woche 6empfohlenSehr gelenkschonend, ideal in Phase 2
Schwimmen (Kraul / Rücken)ab Woche 6–8empfohlenBrustbeinschlag belastet das Innenband stark — meiden
Radfahren (Ergometer, dann flach outdoor)ab Woche 6–8empfohlenSattel hoch genug, niedrige Trittfrequenz
Walken auf flachem Untergrundab Woche 8empfohlenDistanz progressiv, gutes Schuhwerk
Wandern (flach)ab Woche 8–10empfohlenStöcke einsetzen, kein steiles Bergab
Nordic Walkingab Woche 10–12empfohlenAktive Stock-Arbeit entlastet das Knie
Langlauf (klassisch)ab Monat 4–6empfohlenSkating-Stil meiden
Tanzen (paarweise, ohne Drehungen)ab Monat 4empfohlenSprünge und schnelle Drehungen vermeiden
Golf (mit Cart, nicht zu Fuß)ab Monat 4–6bedingtDrehbewegung beim Abschlag stark belastend
Tennis im Doppelab Monat 6–9bedingtIm Einzel nur bei Vorerfahrung + Einzel-Freigabe
Ski alpin (vorsichtig, präparierte Pisten)ab Monat 9–12bedingtNur mit Vorerfahrung, kein Tiefschnee, keine Buckel
Joggennicht empfohlenabgeratenStoßbelastung 3–4× Körpergewicht pro Schritt
Squash, Fußball, Handball, Basketball, Volleyballnicht empfohlenabgeratenHohe Drehmomente + Kontakt = hohes Re-OP-Risiko
Kampfsport mit Bodenkontakt, Kicksnicht empfohlenabgeratenNicht kompatibel mit Implantat-Verankerung

Die wichtige Differenzierung — und ein häufig übersehener Punkt: eine Knie-TEP ist nicht „Sport-Verbot”, sondern Sport-Steuerung. Wer 4 bis 6 Mal pro Woche Bewegung in den Low- und Moderate-Impact-Sportarten macht, lebt nachweislich länger, hat mehr Lebensqualität und ein niedrigeres Sturzrisiko als Knie-TEP-Patient:innen ohne Sport. Schonung ist hier Krankheits­verstärker, kein Schutz.

Drei typische Stolpersteine

  1. Zu früh hohe Last. Wer in Woche 4 schon die Beinpresse mit dem alten Trainings­gewicht von vor der OP belastet, riskiert eine Reizung im Implantat-Lager und einen Reha-Rückschlag. Die ersten 12 Wochen sind eine Aufbau-, keine Test-Phase — Borg-Skala 11–15, kein Maximum.
  2. Hüfte und Rumpf vernachlässigen. Sturz-Risiko nach Knie-TEP entsteht selten am Knie selbst, sondern in der seitlichen Becken-Stabilität (Glutaeus medius) und in der Rumpf-Kontrolle bei Richtungs­wechseln. Anschluss-Training, das nur das Knie sieht, übersieht den eigentlichen Hebel.
  3. Sturzangst nicht ernst nehmen. Studien zeigen, dass „Fear of Falling” nach Knie-TEP ein eigener Risikofaktor für reale Stürze ist — Schon-Verhalten verstärkt die Bewegungs­armut, die wiederum zu Stürzen führt. Im Anschluss-Training gehören graduelle Alltags-Herausforderungen (Bordsteine, unebene Wege, Bus-Einsteigen unter Zeitdruck) bewusst auf den Plan. Eine Bewegungsanalyse und das Sturzpräventions-Programm für Senioren sind hier die naheliegende Brücke.

Anschluss-Training nach Knie-TEP in Berlin

VERTEX SPORTTHERAPIE bietet 1:1-Anschluss-Training nach Knie-TEP in mehreren Berliner Studios — und bei guter Anbindung auch im häuslichen Umfeld der Trainierenden. Mit Studio-Standorten in Mitte, Charlottenburg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Kreuzberg ist VERTEX für die meisten Privatzahler:innen in 30 Minuten ÖPNV erreichbar. Trainings finden auf Deutsch, Englisch oder Spanisch statt — das ist in Berlin selten und für Patient:innen mit anderer Erstsprache ein spürbarer Unterschied.

Die Schnittmenge mit unserer Seniorentraining-Linie ist groß: 70 % aller Knie-TEP-Patient:innen in Deutschland sind über 65 Jahre, viele bringen weitere Themen mit (Hüfte, Rücken, Gleichgewicht). Anschluss-Training nach Knie-TEP wird bei VERTEX entsprechend nicht als isoliertes Knie-Programm geplant, sondern eingebettet in ein Gesamt-Konzept aus Kraft, Gleichgewicht und Sturzprävention — mit klarer Implantat-Schonung im Sportart-Profil.

Anschluss-Training ist eine Selbstzahler­leistung. Transparente Konditionen finden Sie in der Preis-Übersicht, eine ehrliche Markt-Einordnung im PDF Was kostet Sporttherapie privat in Berlin?. Ein 15-minütiges Erst­gespräch kostet nichts und klärt, ob VERTEX zur eingesetzten Bauform, zur ärztlichen Freigabe und zum gewünschten Sportart-Profil passt.

Was kein Anschluss-Trainingsprogramm leisten kann

Ein Anschluss-Trainingsprogramm ist keine Therapie und ersetzt weder die ambulante Reha noch die ärztliche Nach­sorge. Bei anhaltenden Schmerzen, Schwellungen, Bewegungs­einschränkungen, Wärme, Rötung im OP-Gebiet oder bei plötzlichem Instabilitäts-Gefühl ist die Rück­sprache mit der operierenden Ärztin oder dem operierenden Arzt unverzichtbar — das gilt besonders im ersten Jahr nach OP, in dem Spät-Komplikationen am häufigsten auftreten.

Was ein gut strukturiertes Anschluss-Trainingsprogramm hingegen bietet: einen verlässlichen Weg von der medizinischen Versorgung in den Alltag mit künstlichem Kniegelenk — mit messbaren Fortschritten, einem realistischen Sportart-Profil und einer Sturzprävention, die die nächste OP unwahrscheinlicher macht.

Häufig gestellte Fragen

  • Wann darf ich nach einer Knie-TEP mit Krafttraining beginnen?
    In der Regel wird strukturiertes Krafttraining im Anschluss an die ärztliche Reha aufgenommen — typischerweise 6 bis 8 Wochen nach Operation. Voraussetzung ist die schriftliche Freigabe der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes plus eine schmerz- und schwellungsarme Vollbelastung im Alltag. Eingestiegen wird mit submaximalen Lasten (Borg 11–13) an Beinpresse und in geführten Kniebeugen, nicht mit freien Maximalkraft-Übungen.
  • Wie lange muss ich nach einer Knie-TEP an Krücken gehen?
    Die Teilbelastungsphase mit Unterarmgehstützen dauert nach einer Standard-Knie-TEP üblicherweise 2 bis 6 Wochen. Das Abtrainieren der Krücken ist Aufgabe der ärztlichen Reha (AHB) und Physiotherapie — Anschluss-Training startet erst, wenn die Vollbelastung freigegeben und das Gangbild ohne sichtbares Hinken möglich ist. Wer im Anschluss-Training noch ein asymmetrisches Gangbild zeigt, beginnt mit Gangschule und Becken-Stabilität, bevor Kraftreize gesetzt werden.
  • Welche Sportarten sind nach einer Knie-TEP erlaubt — welche nicht?
    Empfohlen werden Low-Impact-Sportarten: Schwimmen (Brust meiden), Aqua-Jogging, Radfahren auf flachem Untergrund, Walken, Wandern, Tanzen ohne Drehungen, Langlauf (klassisch) und Golf mit Cart. Eingeschränkt empfohlen sind Tennis im Doppel und alpines Skifahren — nur mit Vorerfahrung und individueller Freigabe. Abgeraten wird grundsätzlich von Tennis im Einzel, Squash, Fußball, Handball, Basketball, Volleyball, Joggen und Kontaktsport. Die endgültige Freigabe für jede Sportart bleibt eine ärztliche Entscheidung.
  • Wann darf ich nach einer Knie-TEP wieder joggen?
    Joggen wird nach einer Knie-TEP überwiegend nicht empfohlen. Die wiederholte Stoßbelastung (das Drei- bis Vierfache des Körpergewichts pro Schritt) wirkt auf das Implantat-Knochen-Interface und kann die Lebensdauer der Prothese verkürzen. Wer einen starken Drang zum Laufen hat, sollte mit der operierenden Klinik abklären, ob ein limitiertes, sehr kontrolliertes Lauf-Pensum auf weichem Untergrund möglich ist — als Standard-Empfehlung gilt das nicht.
  • Wie lange hält eine Knie-TEP — und wie beeinflusst Sport die Haltbarkeit?
    Moderne zementierte Knie-Totalendoprothesen halten in Registerdaten 15 bis 20 Jahre und länger; bei jüngeren, aktiven Patient:innen ist eine Wechsel-Operation früher wahrscheinlicher. Stoßbelastende Sportarten beschleunigen den Polyethylen-Abrieb des Gleitlagers und können die Implantat-Lebensdauer reduzieren. Low-Impact-Sport hat nach aktueller Datenlage keinen messbar negativen Effekt; die Belastung ist ausdrücklich erwünscht, weil sie Knochen, Muskulatur und Gleichgewicht erhält.
  • Was ist der Unterschied zwischen Standard-TEP, Schlittenprothese und Patellarrückflächen-Ersatz?
    Eine bikondyläre Standard-Knie-TEP ersetzt alle drei Gelenkkompartimente (innen, außen, Kniescheiben-Lager). Eine Schlittenprothese (unikondyläre Endoprothese) ersetzt nur einen einseitigen Gelenkverschleiß und erlaubt schnellere Belastungsprogression und größere Beweglichkeit. Der Patellarrückflächen-Ersatz wird optional bei der Standard-TEP eingebaut, wenn die Kniescheiben-Rückfläche stark verschlissen ist — er beeinflusst vor allem das Knie-Vorderseiten-Schmerzbild im Anschluss-Training.
  • Wie hoch ist das Sturzrisiko nach einer Knie-TEP — und was hilft dagegen?
    Aktuelle Studien berichten Sturzraten von rund 17 Prozent in den ersten 6 Monaten nach Knie-TEP; bei Patient:innen über 75 Jahre ist das Risiko 1,6-fach erhöht gegenüber unter 55-Jährigen. Wirksame Gegenstrategien sind frühe Gleichgewichts- und Becken-Stabilisations-Übungen, einbeinige Stand-Progression auf instabiler Unterlage und gezielte Hüftabduktoren-Kraft. Sturzangst („Fear of Falling") ist ein eigenständiger Risikofaktor und gehört im Anschluss-Training mit adressiert — durch graduell gesteigerte Alltagsbelastungen statt Schon-Verhalten.
  • Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Anschluss-Training nach Knie-TEP?
    Reha-Sport nach § 64 SGB IX ist mit ärztlicher Verordnung über einen anerkannten Verein als Sachleistung möglich, deckt aber nur Gruppen-Settings. Privat geführtes 1:1-Anschluss-Training ist eine Selbstzahler­leistung; manche private Krankenversicherungen und Beihilfen erstatten Personal Training mit Reha-Bezug anteilig — die konkrete Klärung mit dem eigenen Tarif vor Trainings­start ist sinnvoll. Konditionen finden Sie in der Preis-Übersicht.

Diese Leistung im Detail

Anschluss-Trainingsprogramm — strukturierte Trainingsbegleitung mit Julio

Wenn Sie diese Inhalte konkret in Ihren Alltag übertragen möchten — Julio begleitet Sie 1:1 durch jede Phase. Erstgespräch kostenlos, in DE / EN / ES.

Zur Service-Seite

Wissenschaftliche Quellen

Diese Inhalte stützen sich auf folgende Leitlinien, systematische Reviews und Fachpublikationen:

  1. 1. S2k-Leitlinie Indikation Knieendoprothese (EKIT-Knie) 187-004 AWMF / DGOU / DGOOC, 2023
  2. 2. Endoprothesen und Sport — Standortbestimmung German Journal of Sports Medicine (DGSP), 2017
  3. 3. Sport nach Hüft- und Knieendoprothese: Was lassen wir zu? Universimed Orthopädie & Traumatologie, 2024
  4. 4. Return to Sport nach Endoprothetik Sportärztezeitung, 2023
  5. 5. Sportliche Belastung und Belastbarkeit nach endoprothetischem Gelenkersatz German Journal of Sports Medicine (DGSP), 2009
  6. 6. Effectiveness of Physiotherapy Exercise Following Total Knee Replacement: Systematic Review and Meta-Analysis BMC Musculoskeletal Disorders / PMC, 2015
  7. 7. Continuous Passive Motion after Knee Replacement Surgery (Cochrane Review CD004260) Cochrane Database of Systematic Reviews, 2014
  8. 8. Risk factors of post discharge falls in patients undergoing total knee arthroplasty: An integrative review PMC / International Journal of Orthopaedic and Trauma Nursing, 2024

Über den Autor

Julio Abad Veria

Julio Abad Veria

Sporttherapeut · Sportwissenschaftler

Julio hat in Kuba ein 5-jähriges Hochschuldiplom in Sportwissenschaft absolviert, in Deutschland von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) als Sportwissenschaftler anerkannt. Seit 14 Jahren in stationären und ambulanten Reha-Zentren in Berlin tätig — heute mit Schwerpunkt auf 1:1-Anschluss-Training nach abgeschlossener ärztlicher Behandlung.

Weiterbildungen mit Bezug zum Thema:

  • KG am Gerät — Krankheitsbilder
  • Bewegungstherapie bei onkologischen Erkrankungen
  • Aqua Trainer Basic
Mehr über Julio erfahren
  • Universitäts-Diplom anerkannt Anabin / ZAB Zeugnisbewertung
  • 9 Jahre in Berlin
  • Aqua Trainer Basic Fortbildungs-Zertifikat
  • KG-am-Gerät-Fortbildung Fortbildungs-Zertifikat
  • Onkologische Bewegungstherapie-Fortbildung Fortbildungs-Zertifikat

Schwestermarke

Sie suchen ein Programm für Ihr Unternehmen, Pflegeheim oder Ihre Praxis?

MOVETICA — die Schwestermarke für B2B-Bewegungs- und Gesundheitsprogramme. Reha, Firmenfitness, Seniorenbewegung, Prävention, Aquatherapie.

MOVETICA ist eine zweite Marke desselben Inhabers Julio Abad Veria. Beide Marken bedienen unterschiedliche Zielgruppen und Angebote: VERTEX richtet sich an private Endkunden (B2C), MOVETICA an Organisationen (B2B).