Sportlicher Wiedereinstieg · 13 Min Lesezeit

Wiedereinstieg ins Laufen nach Knie-OP in Berlin: 8-Wochen-Walk/Jog-Programm und Pre-Run-Tests

8-Wochen-Walk/Jog-Programm nach Knie-OP: drei Pre-Run-Tests, Lauftechnik und konkrete Berlin-Reviere — kriterien-basiert für Kreuzband, Meniskus und Knie-TEP.

Veröffentlicht:
Autor:
Julio Abad Veria, Sporttherapeut · Sportwissenschaftler
Julio Abad Veria erklärt einem Trainierenden eine Einbein-Stand-Übung auf der Tempelhofer Feld-Wiese.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Vor dem ersten Lauf-Einstieg nach einer Knie-Operation ist die schriftliche Freigabe der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes zwingend erforderlich. Anschluss-Training und sportliche Wiedereingliederung sind keine Heilbehandlung und keine Krankengymnastik — es ist sportwissenschaftlich begleitete Trainings­begleitung nach abgeschlossener ärztlicher Reha.

Was es heißt, nach einer Knie-OP wieder zu laufen

Der Wunsch, nach einer Knie-Operation wieder laufen zu können, ist für viele Hobby-Sportler:innen eines der wichtigsten Reha-Ziele. Laufen ist gelenkbelastend, aber zugleich der direkteste Indikator für „wieder voll im Leben”. Wer den ersten Park-Lauf nach der OP schafft, spürt: das Knie trägt.

Genau hier liegt aber auch das größte Risiko. Laufen besteht biomechanisch aus einer Serie einbeiniger Sprünge — pro Schritt wirken am operierten Knie zwischen 2,5 und 5-fachem Körpergewicht. Wer zu früh beginnt, riskiert reaktive Reizungen im Implantat-Lager (bei Knie-TEP), im transplantierten Kreuzband oder im Knorpel — alles vermeidbar.

Ein sportartspezifisches Wiedereingliederungs-Programm fürs Laufen ist keine Therapie und keine Krankengymnastik. Es ist die kriterien-basierte Trainings­begleitung in der Lücke zwischen abgeschlossener ärztlicher Reha und dem ersten freien Park-Lauf — mit messbaren Voraussetzungen, schrittweiser Belastung und einer Zeit­achse, die sich nach den Tests richtet, nicht nach dem Kalender.

Wer mit dem ersten Schritt schon den Pillar-Überblick will, findet ihn im Artikel zum Anschluss-Training nach Knie-OP. Wer aus dem Kreuzband-Verlauf kommt, kann den Cluster-Artikel zur Kreuzband-OP für die Phasen-Übersicht vorab lesen.

Welche OP — welcher Zeitrahmen?

Der frühest mögliche Lauf-Einstieg hängt direkt vom OP-Typ ab. Vier typische Knie-Eingriffe — vier unterschiedliche Empfehlungen.

Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP)

Die Fachgesellschaften (DGSP, DGOU) raten Joggen nach einer Knie-TEP grundsätzlich nicht aktiv an, weil die Stoßbelastung die Lebensdauer der Prothese verkürzen kann. Ein systematischer Review von Faldini et al. (2025, Musculoskeletal Surgery) zeigt: Für motivierte ehemalige Läufer:innen ist ein moderates Lauf-Programm unter strengen Voraussetzungen möglich — frühestens 6 Monate nach OP, mit schriftlicher Freigabe des Operateurs, in stoßdämpfendem Schuhwerk und mit reduzierter Frequenz (1 bis 2× pro Woche). Wer das vorhat, sollte das nicht ohne professionelle Begleitung beginnen.

Kreuzband-Plastik (VKB-Ersatz)

Lauf-Aufbau ab Woche 10 bis 12 möglich — bei erfüllten Pre-Run-Tests. Die zeitliche Angabe ist Mindest­voraussetzung, nicht Freigabe. Ohne 80-Prozent-LSI in der Quadriceps-Kraft und ohne saubere Beinachsen­kontrolle bleibt das Knie verletzungs­anfällig. Details zum 9-Monats-Plan stehen im Cluster-Artikel zur Kreuzband-OP.

Meniskus-Resektion

Bei einer reinen Teilresektion (kein Naht-Anteil) ist Vollbelastung meist ab Tag 1 erlaubt. Lauf-Aufbau ist häufig ab Woche 6 bis 8 möglich — vorausgesetzt die Schwellung ist abgeklungen und die Kniebeuge bis 90 Grad schmerzfrei ausgeführt werden kann.

Meniskus-Naht

Hier ist Geduld gefragt: 4 bis 6 Wochen Teil­belastung mit Beugungs-Limit, dann graduelle Steigerung. Lauf-Aufbau frühestens ab Monat 3 bis 4, in den meisten Klinik-Protokollen eher Monat 4 bis 5 nach OP — abhängig von Naht-Lokalisation, Begleit-Verletzungen und schriftlicher Freigabe.

Drei Pre-Run-Tests — bevor Sie loslaufen

Bevor der erste Walk/Jog-Einstieg sinnvoll ist, sollten drei einfache Tests bestanden sein. Sie messen Kraft, Kontrolle und Belastbarkeit — die drei Säulen einer sicheren Lauf-Mechanik. Alle drei lassen sich in 15 Minuten durchführen.

Test 1 — Quadriceps-Kraft (Single-Leg Press oder isometrischer Wand-Sitz). An der Beinpresse: einbeiniges 1-Wiederholungs-Maximum mindestens 1,25× Körpergewicht — und der Limb Symmetry Index zwischen operiertem und gesundem Bein bei mindestens 80 Prozent. Ohne Beinpresse: Wand-Sitz mit 90° Knie­beugung — operiertes Bein muss mindestens 80 Prozent der Halte­zeit des gesunden Beins erreichen.

Test 2 — Schmerzfreie einbeinige Kniebeuge bis 60° Beugung. Im Stand, freie Arme, langsam absenken, kontrolliert hochkommen. Kein Knie-nach-innen-Kippen, keine Becken-Schiefstellung, kein Aufsetzen mit dem Gegenfuß. 5 saubere Wiederholungen am Stück — beidseitig.

Test 3 — Step-down vom 30-cm-Hocker mit Beinachsen­kontrolle. Auf einem Hocker stehen, langsam absenken bis der Gegenfuß den Boden berührt, ohne dass das operierte Knie nach innen kippt oder sich das Standbein dreht. 10 Wiederholungen ohne Qualitäts­verlust.

Wer alle drei Tests besteht, kann mit dem Walk/Jog-Programm starten. Wer einen Test nicht besteht, sollte das Krafttraining 2 bis 3 weitere Wochen fortsetzen — die später gesparte Zeit (Vermeidung von Rückschlägen) ist deutlich größer als der Aufschub. Bei VERTEX ist diese Pre-Run-Test-Batterie Bestandteil jeder Erst-Bewegungsanalyse.

Das 8-Wochen-Walk/Jog-Protokoll

Sobald die Pre-Run-Tests bestanden sind, beginnt der schrittweise Lauf-Aufbau. Das folgende Protokoll orientiert sich an etablierten ACL-Reha-Vorlagen (Mass General Hospital, Faldini-Protokoll für TKA) und ist für Hobby-Läufer:innen mit moderatem Vor-Niveau gedacht. Drei Einheiten pro Woche, idealerweise mit mindestens einem Tag Pause zwischen den Lauf-Tagen.

WocheIntervall pro WiederholungWiederholungenGesamt-DauerBorg
11 Min Joggen / 2 Min Gehen18 Min11–12
22 Min Joggen / 2 Min Gehen20 Min11–12
33 Min Joggen / 1 Min Gehen20 Min12–13
45 Min Joggen / 1 Min Gehen24 Min12–13
58 Min Joggen / 1 Min Gehen27 Min12–13
612 Min Joggen / 1 Min Gehen26 Min13
720 Min durchgehend joggen20 Min13
825 Min durchgehend joggen25 Min13

Drei Regeln dabei: Erstens — der Lauf-Untergrund bleibt flach und gleichmäßig (Asphalt, gepflegte Park-Wege, kein Wurzelterrain). Zweitens — wenn das Knie 24 Stunden nach einer Einheit anschwillt oder schmerzt, geht es eine Woche im Protokoll zurück, nicht zwei. Drittens — erst nach Woche 8 folgen Tempo-Variationen oder Steigungen, und auch das nur in 5- bis 10-Prozent-Steigerungs­schritten pro Woche.

Wo in Berlin trainieren?

Berlin hat einige der besten Wiedereinstiegs-Reviere Europas — wenn man weiß, welche.

Tempelhofer Feld. Der Goldstandard für die ersten 4 bis 6 Wochen. Flacher Asphalt, große Außen-Runde 6,1 km, jederzeit Abbruch möglich, kein Wurzelwerk, gute ÖPNV-Anbindung an drei U-Bahn-Eingängen. Im Sommer ab 20 Uhr deutlich leerer.

Volkspark Friedrichshain. Asphalt­wege mit milden Steigungen (für später relevant), zwei zentrale Sicht-Achsen und ein Bahnhof in 5 Minuten. Vorteil für Trainierende aus Friedrichshain und Prenzlauer Berg — direkte Tür-zu-Park-Anbindung.

Treptower Park entlang der Spree. Lange, gerade Wege mit Wasserblick, mittel­weicher Belag. Ideal für die durchgehenden Lauf-Einheiten ab Woche 6, weil die Streckenlogik (gerade hin, gerade zurück) klares Tempo­gefühl gibt.

Hasenheide und Lietzensee­park. Beide haben weichere Wege als Tempelhof — das ist in der frühen Phase nach Knorpel- oder Meniskus-OP ein Vorteil (geringere Stoßbelastung), in der späten Phase mit Tempo­wechseln ein Nachteil (Unebenheiten). Wahl je nach Trainings­ziel.

Was wir nicht empfehlen für die ersten 6 Wochen: Grunewald, Spandauer Forst, Müggelsee-Wege — schöner Wald, aber zu viel Wurzelwerk für ein Knie in Wiedereingliederung.

Lauftechnik nach Knie-OP — was sich ändert

Die meisten Hobby-Läufer:innen laufen mit 155 bis 165 Schritten pro Minute (Cadence). Eine Erhöhung um 5 bis 10 Prozent — also auf 165 bis 175 — senkt nach Lenhart et al. (2014, Medicine & Science in Sports & Exercise) die patellofemorale Spitzen­belastung um etwa 14 Prozent und die Stoß­last­rate um 11 Prozent. Genau das, was ein operiertes Knie braucht.

Konkret heißt das: kürzere Schritte, mehr Schritte. Ein einfaches Smartphone-Metronom oder eine Spotify-Playlist mit 170 BPM (Songs gibt es zuhauf) hilft, die Frequenz zu trainieren. In den ersten Wochen unbedingt mit weniger Tempo arbeiten — höhere Frequenz bei gleicher Distanz bedeutet automatisch kürzeren Schritt.

Zweite wichtige Anpassung: der Aufsatz-Punkt. Ein zu langer Schritt mit Fersen-Aufsatz weit vor dem Körperschwerpunkt erzeugt eine Brems-Phase mit hoher Knie­belastung. Besser: der Fuß setzt nahe unter dem Becken auf, die Hüfte bleibt aktiv, der Schritt fühlt sich „kurz und leicht” an. Wer hier unsicher ist, dem hilft eine Bewegungsanalyse deutlich mehr als Video-Tutorials — kompensatorische Muster sind in der eigenen Wahrnehmung oft unsichtbar (siehe „Hip-Strategy” bei Popovic et al., 2021).

Dritte Anpassung: die Beinachsen­kontrolle. Wenn das Knie unter Last nach innen kippt (Knee Valgus), steigt die Belastung am Innen-Meniskus und am medialen Knorpel sprunghaft. Sichtbar wird das oft erst auf Video — bei VERTEX gehört eine kurze Smartphone-Aufnahme aus Frontal- und Seiten­perspektive zur Standard-Lauf-Bewegungsanalyse.

Aufbau-Kraft parallel zum Laufen

Krafttraining pausiert während des Lauf-Aufbaus nicht — es bleibt der wichtigste Schutz gegen Re-Verletzungen. Studien zeigen klar: Wer parallel zum Walk/Jog-Aufbau zwei Kraft-Einheiten pro Woche absolviert, hat eine deutlich niedrigere Re-Verletzungs-Rate als wer „erst läuft, dann Kraft wieder aufnimmt”.

Die wichtigsten Übungen in der Walk/Jog-Phase:

  • Bulgarian Split Squat mit dem operierten Bein hinten — 3 × 8 Wiederholungen, langsam, kontrollierte Negativ-Phase
  • Single-Leg Romanian Deadlift — 3 × 6 pro Seite, Schwerpunkt auf Becken-Stabilität
  • Einbeiniges Wadenheben — 3 × 12 pro Seite, volle Bewegungs­amplitude
  • Hip Thrust beidbeinig — 3 × 10, Aktivierung der Glutaeen für die Becken-Stabilität in der Lauf-Stand­phase
  • Plank-Varianten und Side-Plank — 3 × 30 Sekunden, Rumpf-Stabilität gegen Becken-Kippung

Diese Einheiten finden idealerweise an Tagen ohne Lauf-Training statt — Beispiel: Mo/Mi/Fr Walk/Jog, Di/Do Kraft, Sa/So Ruhe oder Mobilisation.

Drei typische Stolpersteine

  1. Zu früh zu schnell. Die häufigste Reha-Falle: Wer in Woche 1 schon „mal sehen, ob 20 Minuten am Stück gehen” testet, riskiert eine Schwellung, die das Programm um 2 bis 4 Wochen zurückwirft. Das Walk/Jog-Schema ist nicht konservativ — es ist genau so progressiv, wie der Knorpel und das transplantierte Kreuzband biologisch verarbeiten können.

  2. Lauf-Aufbau ohne parallel laufendes Krafttraining. Wer das Krafttraining nach der ärztlichen Reha einstellt und „nur noch joggt”, verliert in den ersten 6 bis 8 Wochen 15 bis 20 Prozent der mühsam aufgebauten Quadriceps-Kraft. Das gefährdet die Beinachsen­kontrolle bei längeren Läufen und erhöht das Re-Verletzungs-Risiko messbar.

  3. Schmerz-Signale ignorieren. Eine leichte muskuläre Spannung nach dem Lauf ist normal — Schwellung, Wärme oder pochender Schmerz im Knie selbst sind ein klares Stop-Signal. Die Regel: Wenn das Knie nach 24 Stunden nicht im Ausgangs­zustand ist, gehört die nächste Einheit gestrichen und das Programm um eine Woche zurück­gesetzt. Bei wieder­kehrender Schwellung über 3 bis 5 Tage gehört der Lauf­einstieg abgebrochen und die operierende Klinik kontaktiert.

Wiedereinstieg Laufen mit VERTEX in Berlin

VERTEX SPORTTHERAPIE bietet die sportliche Wiedereingliederung als 1:1-Begleitung an — mit Studio-Standorten in Mitte, Charlottenburg, Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Kreuzberg und Outdoor-Einheiten direkt im Tempelhofer Feld, im Volkspark Friedrichshain, im Treptower Park und am Lietzensee. Trainings finden auf Deutsch, Englisch oder Spanisch statt — eine Kombination, die in Berlin selten ist.

Eine typische 8- bis 12-Wochen-Begleitung umfasst die Pre-Run-Test-Batterie, das individualisierte Walk/Jog-Protokoll, eine Lauf-Bewegungsanalyse (Frontal- und Seiten­perspektive per Smartphone), parallel laufendes Kraft­training und alle 4 Wochen ein Re-Test. Sportliche Wiedereingliederung ist eine Selbstzahler­leistung. Transparente Konditionen finden Sie in der Preis-Übersicht, eine ehrliche Markt-Einordnung im PDF Was kostet Sporttherapie privat in Berlin?. Ein 15-minütiges Erst­gespräch kostet nichts und klärt, ob VERTEX zur konkreten OP, zur ärztlichen Freigabe und zum gewünschten Lauf-Ziel passt.

Was kein Anschluss-Trainingsprogramm leisten kann

Ein Wiedereingliederungs-Programm ist keine Therapie und ersetzt weder die ambulante Reha noch die ärztliche Nach­sorge. Bei anhaltenden Schmerzen, Schwellungen, Bewegungs­einschränkungen, Wärme oder Rötung im OP-Gebiet oder bei unklaren Symptomen ist die Rück­sprache mit der operierenden Ärztin oder dem operierenden Arzt unverzichtbar.

Was ein gut strukturiertes Wiedereingliederungs-Programm hingegen bietet: einen verlässlichen, kriterien-basierten Weg vom letzten Reha-Termin bis zum ersten freien Park-Lauf — mit messbaren Fortschritten, einem schrittweisen Walk/Jog-Aufbau und einer realistischen Zeitachse, die sich nach Ihrem Knie richtet, nicht nach Ihrem Kalender.

Häufig gestellte Fragen

  • Wann darf ich nach einer Knie-TEP wieder joggen?
    Die Mehrheit der Fachgesellschaften rät vom Joggen nach einer Knie-Totalendoprothese ab, weil die Stoßbelastung die Implantat-Lebensdauer verkürzen kann. Ein 2025 veröffentlichter systematischer Review von Faldini et al. (Musculoskeletal Surgery) beschreibt jedoch ein strukturiertes Protokoll für motivierte TEP-Trainierende — mit klaren Voraussetzungen: stabiles Gangbild ohne Hinken, schmerzfreie Vollbelastung, schriftliche Freigabe der operierenden Klinik. Auch unter Idealbedingungen frühestens 6 Monate nach OP und in moderater Frequenz.
  • Welche Kraft-Werte sollte ich vor dem ersten Lauf erreichen?
    Drei Schwellen sind in der sportwissenschaftlichen Literatur etabliert: Quadriceps-Kraft im operierten Bein bei mindestens 80 Prozent des gesunden Beins (Limb Symmetry Index, LSI), beidbeiniges Wadenheben mindestens 25 Wiederholungen, und eine schmerzfreie einbeinige Kniebeuge bis 60 Grad Beugung mit guter Beinachsen-Kontrolle. Wer diese drei Werte nicht erreicht, sollte das Walk/Jog-Programm noch nicht starten — Geduld in dieser Phase reduziert das Risiko reaktiver Reizungen deutlich.
  • Wie schnell darf ich am Anfang laufen?
    In den ersten zwei bis drei Wochen sehr langsam — Borg-Skala 11 bis 13, also ein Tempo, in dem Sie noch in ganzen Sätzen sprechen können. Konkret liegt das für die meisten Hobby-Läufer:innen bei 7 bis 9 km/h. Erst nach einem stabilen Walk/Jog-Aufbau (Woche 6 bis 8) folgen langsame Steigerungen der Geschwindigkeit. Wer zu schnell startet, riskiert Schwellung, Reizung und Rückschläge — Tempo-Training kommt deutlich später.
  • Welche Schuhe sind nach einer Knie-OP empfehlenswert?
    Wichtig sind eine ausreichende Dämpfung im Vorfuß- und Rückfußbereich sowie ein gut sitzender Schaft, der die Fersen-Stabilität erhält. Die Schuhe sollten neu oder maximal 500 km gelaufen sein — abgenutzte Dämpfung erhöht die Stoßbelastung am operierten Knie. Spezielle Stabilitätsschuhe sind nur bei nachgewiesener Pronation oder Beinachsen-Abweichung sinnvoll und werden idealerweise nach einer Bewegungsanalyse ausgewählt — nicht nach Marketing-Versprechen im Sportgeschäft.
  • Wo in Berlin kann ich nach einer Knie-OP am besten wieder laufen?
    Empfehlenswert sind flache, gleichmäßige Beläge ohne Wurzeln und Bordsteinkanten. Konkret: das Tempelhofer Feld (flacher Asphalt, große Runde 6 km, jederzeit Abbruch möglich), der Volkspark Friedrichshain (Asphaltwege, moderate Steigung optional), der Treptower Park entlang der Spree (langer, gerader Belag) und die Hasenheide (mittelweicher Untergrund, gut für sanftere Reize). Wald- und Heidewege mit Wurzeln sind in den ersten 4 bis 6 Wochen ungeeignet.
  • Was tun, wenn das Knie nach dem ersten Lauf anschwillt?
    Eine leichte Reizung mit verzögertem Wohlgefühl ist normal — entscheidend ist die Erholung innerhalb von 24 Stunden. Bleibt die Schwellung oder kommt Wärme dazu, ist das ein klares Signal, einen Schritt zurückzugehen: Intensität und Dauer um 30 bis 50 Prozent reduzieren, eine Trainings-Pause von 3 bis 5 Tagen, dann mit kürzeren Intervallen neu starten. Hält die Schwellung länger an oder ist sie schmerzhaft, ist die Rücksprache mit der operierenden Klinik unverzichtbar.
  • Sollte ich mit Krafttraining pausieren, während ich Walk/Jog mache?
    Im Gegenteil — Krafttraining ist während des Walk/Jog-Aufbaus besonders wichtig. Studien zeigen, dass parallel zum Lauf-Einstieg fortgesetztes Quadriceps-, Glutaeus- und Wadentraining die Re-Verletzungs-Rate senkt und die Lauf-Mechanik stabilisiert. Sinnvoll sind 2 Kraft-Einheiten pro Woche mit Schwerpunkt auf einbeinigen Übungen (Bulgarian Split Squat, Single-Leg Romanian Deadlift, Wadenheben einbeinig), idealerweise an Tagen ohne Lauf-Einheit.
  • Übernimmt die Krankenkasse das Wiedereinstiegs-Programm?
    Sportliche Wiedereingliederung als 1:1-Personal-Training ist eine Selbstzahlerleistung — gesetzliche Krankenkassen tragen das in der Regel nicht. Reha-Sport nach § 64 SGB IX über einen anerkannten Verein deckt nur Gruppen-Settings und endet bei der Basis-Belastbarkeit, nicht beim sport­artspezifischen Lauf-Aufbau. Private Krankenversicherungen und Beihilfen erstatten Personal Training mit Reha-Bezug teilweise anteilig — die konkreten Konditionen sollten vor Trainings­start mit dem eigenen Tarif geklärt werden.

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Wissenschaftliche Quellen

Diese Inhalte stützen sich auf folgende Leitlinien, systematische Reviews und Fachpublikationen:

  1. 1. Returning to running after total knee arthroplasty: a systematic review and a novel multimodal protocol Musculoskeletal Surgery (Faldini et al.), 2025
  2. 2. S1-Leitlinie Vordere Kreuzbandruptur (DGOU) AWMF / DGOU, 2023
  3. 3. Return to Sport Following Anterior Cruciate Ligament Reconstruction: A Scoping Review of Criteria Determining Return-to-Sport Readiness Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy (PubMed), 2024
  4. 4. Limb Symmetry Indexes Can Overestimate Knee Function After Anterior Cruciate Ligament Injury Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 2017
  5. 5. Increasing Running Step Rate Reduces Patellofemoral Joint Forces Medicine & Science in Sports & Exercise (Lenhart et al.), 2014
  6. 6. The Influence of Running Cadence on Biomechanics and Injury Prevention: A Systematic Review Cureus / PMC, 2025
  7. 7. 3D-Bewegungsdiagnostik: Laufen nach Kniearthroskopie Sportärztezeitung (Popovic, Krahl, Plachel), 2021
  8. 8. Return to Sport nach Endoprothetik Sportärztezeitung, 2023

Über den Autor

Julio Abad Veria

Julio Abad Veria

Sporttherapeut · Sportwissenschaftler

Julio hat in Kuba ein 5-jähriges Hochschuldiplom in Sportwissenschaft absolviert, in Deutschland von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) als Sportwissenschaftler anerkannt. Seit 14 Jahren in stationären und ambulanten Reha-Zentren in Berlin tätig — heute mit Schwerpunkt auf 1:1-Anschluss-Training nach abgeschlossener ärztlicher Behandlung.

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  • KG am Gerät — Krankheitsbilder
  • Bewegungstherapie bei onkologischen Erkrankungen
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  • Universitäts-Diplom anerkannt Anabin / ZAB Zeugnisbewertung
  • 9 Jahre in Berlin
  • Aqua Trainer Basic Fortbildungs-Zertifikat
  • KG-am-Gerät-Fortbildung Fortbildungs-Zertifikat
  • Onkologische Bewegungstherapie-Fortbildung Fortbildungs-Zertifikat

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